Verbraucher

19 November 2019

Pressemitteilung 19/55

Im Rahmen ihres Auftrags zum Verbraucherschutz hat die CSSF die ersten Instrumente zur Förderung der Finanzbildung in Luxemburg vorgestellt. Hierzu zählen ein neues Informationsportal (www.letzfin.lu) sowie verschiedene Applikationen zur Sensibilisierung der Verbraucher jeder Altersgruppe in Bezug auf persönliche Finanzfragen. Diese Instrumente wurden am 19. November im Rahmen einer Pressekonferenz in Anwesenheit von Finanzminister Pierre Gramegna und dem Minister für nationale Bildung Claude Meisch vorgestellt.

Die Verbraucher sind in Finanzfragen oftmals auf sich allein gestellt

In einer globalisierten Welt, in der alles mit wenigen Klicks, jederzeit und überall zugänglich ist, müssen die Verbraucher ihre finanziellen Entscheidungen vermehrt allein treffen und deren Konsequenzen tragen. Um den Herausforderungen eines digitalisierten Alltags begegnen zu können, muss jeder Verbraucher heutzutage über Grundkenntnisse in Finanzfragen verfügen.

„Die Finanzkrise hat gezeigt, dass die Finanzbildung eine wichtigere Rolle im Leben aller Bürger spielen muss. Die Finanzaufklärung ermöglicht es den Verbrauchern, fundierte und verantwortungsbewusste Finanzentscheidungen zu treffen, was in einer digitalen Welt, in der die Information immer schneller zirkuliert, umso wichtiger ist. In diesem Zusammenhang möchte ich die CSSF zu den Initiativen beglückwünschen, die sie in diesem Bereich ergriffen hat, die darauf abzielen, alle unsere Bürger, von den Jüngsten bis zu den Ältesten, in der Schule oder außerhalb, in der Welt der Finanzen und der FinTech, besser zu informieren und ihr Bewusstsein für Sustainable Finance zu schärfen“, sagte Pierre Gramegna, Finanzminister.

Ziel der Finanzbildung ist es, dem Bürger Fähigkeiten zu vermitteln, damit dieser fundierte finanzielle Entscheidungen treffen kann. Dazu gehört neben der Aufklärung der Verbraucher in Konsumfragen und der damit verbundenen Fähigkeit ständigen Versuchungen zu widerstehen, auch die Vermittlung von Fähigkeiten im Bereich der Entscheidungsfindung unter Berücksichtigung des eigenen Budgets. In der Tat soll jeder in der Lage sein, die Risiken bestimmter Verhaltensweisen in Bezug auf Geldfragen abzuschätzen und zu verstehen, dass angeblich einfache Kredite, welche die eigene Rückzahlungsfähigkeit übersteigen, zu einer Überschuldung führen können.

Danièle Berna-Ost, Generalsekretärin der CSSF sagte: „Die guten Reflexe in Finanzfragen sollten bereits in der Schule und von klein auf vermittelt werden. Die Finanzbildung muss den Schülern die Fähigkeiten vermitteln, die sie benötigen, um in der heutigen Welt bestehen zu können.“

Claude Meisch, Minister für Nationale Bildung führte aus : „Kinder und Jugendliche sind die Verbraucher von heute und die Wirtschaftsakteure von morgen: Deshalb ist es wichtig, dass wir ihnen nicht nur helfen, mit Geld und Konsum verantwortungsvoll umzugehen, sondern sie auch darauf vorbereiten, autonome und aufgeklärte Bürger zu werden, die in der Lage sind, die richtigen finanziellen Entscheidungen zum eigenen Wohle und dem der Gesellschaft zu treffen“.

Stärkung des Verbraucherschutzes durch Instrumente der Wissensvermittlung im Finanzbereich

Die CSSF hat in Zusammenarbeit mit dem “ Comité pour la Protection des Consommateurs Financiers“* mehrere Instrumente entwickelt. Claude Marx, Generaldirektor der CSSF, erklärt: „Bildung ist der beste Weg, um die Verbraucher zu schützen. Die CSSF hat eine Verbraucherschutzmission. Diese Mission spiegelt sich insbesondere in einer angemessenen Aufsicht über die Gewerbetreibenden des Finanzsektors wider, muss aber zwingend durch die Förderung der allgemeinen Wissensvermittlung im Finanzbereich vervollständigt werden. Die Auferlegung neuer Informationspflichten der Gewerbetreibenden gegenüber den Verbrauchern macht nur Sinn, wenn die Verbraucher überhaupt in der Lage sind, die übermittelten Informationen zu verstehen“.

Informationsportal „lëtzfin“

Das Informationsportal www.letzfin.lu enthält wesentliche Informationen zu Themen, denen die meisten Menschen im Privat- und Berufsleben regelmäßig begegnen: „Geld im Alltagsgebrauch“, „Versicherungen“, „Kredite“, „Sparen und Investieren“, „Rente“, „Vorsichtsmaßnahmen“ und „Überschuldung“. Ziel ist es, die Verbraucher aufzuklären und zu schützen, indem grundlegende Finanzinformationen zur Verfügung gestellt werden. Diese sollen dem Verbraucher helfen, die eigene finanzielle Situation zu analysieren und zu verstehen und angemessene, fundierte Entscheidungen zu treffen.

Auf diesem Portal finden Verbraucher auch praktische Tools, wie z.B. Kreditsimulatoren, Hilfe zur Aufstellung des eigenen Budgets, Fragen, um das eigene Wissen zu testen, und erklärende Videos.

Das Informationsportal lëtzfin wird weiter stetig ausgebaut werden und bildet den Anker aller Initiativen, die im Rahmen der nationalen Strategie zur Förderung der Finanzbildung durchgeführt werden.

FinGol: The Financial Game of Life

Das Financial Game of Life (FinGoL) ist ein dynamisches Lernspiel in Form eines „Chatbots“, das von Studenten der Luxembourg Tech School entwickelt wurde.

FinGoL richtet sich an ein junges Publikum und ermöglicht es, das Finanzleben eines Erwachsenen sowie Finanzsituationen, welchen sich ein Erwachsener im wirklichen Leben ausgesetzt sieht, auf spielerische Weise zu simulieren. Während des Spiels müssen die Nutzer eine Arbeit finden, ihr Budget verwalten, verschiedene Finanzentscheidungen treffen und sich deren Auswirkungen stellen. Sie erhalten Informationen über die Notwendigkeit ein Budget zu führen, Grundkenntnisse über die Funktionsweise von Krediten sowie über Risiken eines sogenannten „einfachen“ Kredits. Durch verantwortungsvolles Handeln können im Verlauf des Spiels höhere Level erreicht und zusätzliche Funktionen freigeschaltet werden.

Um eine größere Anzahl junger Menschen zu erreichen, wurde FinGoL so konzipiert, dass es über die sozialen Medien zugänglich ist. Eine App-Version des Spiels befindet sich in der Entwicklung.

„Lëtzfin Budget“ Anwendung: eine Anwendung zur Budgetverwaltung für Erwachsene

Die Führung des monatlichen Budgets stellt das wichtigste Instrument zur Vorbeugung finanzieller Schwierigkeiten dar, die unter Umständen zu einer Überschuldungssituation führen können. Dieses Überschuldungsrisiko wird deutlich reduziert, wenn der Verbraucher einen klaren Überblick über seine Einnahmen und Ausgaben hat.

Die App ermöglicht es dem Benutzer, sein Budget zu erstellen, es zu verwalten, unnötige Ausgaben zu entdecken und die eigene zukünftige finanzielle Situation vorausschauend zu planen. Die App ist in zwei Sprachen erhältlich (Französisch und Deutsch), wobei die Sprachenauswahl erweitert und zusätzliche Funktionalitäten, gemäß den Bedürfnissen der Verbraucher und des technologischen Fortschritts, integriert werden sollen.

„Lëtzfin Pocket money“: eine App zur Budgetverwaltung für junge Leute

Die App „lëtzfin Pocket money“ soll junge Menschen auf die Wichtigkeit der Verwaltung ihrer persönlichen Finanzen aufmerksam machen, was durch die aktive Einbeziehung der Eltern erreicht werden soll. Das Grundkonzept der App wurde von einem Team von vier Freiwilligen im Rahmen des Lux4Good Hackathon entwickelt. Das Projekt wurde von einer Jury, an welcher insbesondere Ihre Königliche Hoheit Großherzogin Maria Teresa mitwirkte, ausgezeichnet.

Die App ermöglicht es jungen Menschen, die Verwendung ihres Taschengeldes oder anderer Einkommen besser zu verfolgen. Eltern übernehmen hierbei die Rolle einer Bank, um die Kinder bei der Verwaltung ihrer persönlichen Budgets zu unterstützen. Die App soll den Dialog zwischen Kindern und Eltern fördern und diese animieren über oftmals tabuisierte Geldfragen offen zu sprechen. Die Smartphones von Jugendlichen und ihren Eltern werden hierzu mittels eines QR-Codes miteinander verbunden. Die Eltern erhalten jedoch keinen Einblick in die von den Jugendlichen eingegebenen Daten haben.

Mit Hilfe dieser Applikation sollen junge Menschen lernen, ihr persönliches Budget aktiv zu verwalten und somit den Wert des Geldes besser zu schätzen.

Claude Marx schloss die Pressekonferenz mit einem Blick in die Zukunft: „Der nächste Schritt ist es, über wissensvermittelnde Finanzbildung hinauszugehen um ein nachhaltiges Finanzverhalten zu fördern. Dies muss zügig umgesetzt werden“.

Die CSSF bedankt sich bei der „ABBL Foundation for Financial Education“, die verschiedene Projekte finanziell unterstützt hat.

Pressekontakt :

Paul Wilwertz | paul.wilwertz@cssf.lu

*Die Mitglieder des CPCF sind : Association des Banques et Banquiers, Luxembourg, Association des Compagnies d’Assurances, Association Luxembourgeoise des Fonds d’Investissement, Banque centrale du Luxembourg, Centre Européen des Consommateurs, Chambre de Commerce, Commissariat aux Assurances, Commission de Surveillance du Secteur Financier, Conférence nationale des professeurs de sciences économiques et sociales, Inter-Actions, Investas, Jonk Entrepreneuren Luxembourg, Ligue Médico-Sociale, Ministère de l’Économie, Ministère de l’Éducation nationale, de l’Enfance et de la Jeunesse, Ministère de la Famille, de l’Intégration et à la Grande Région, Ministère des Finances, STATEC, Université du Luxembourg